Die Geschichte des Kunstvereins Jason Rø e.V. seit 2011
Gegründet haben wir den Verein nach einer Ausstellung in Düsseldorf-Flingern in 2011. Der Künstler Carsten Reinhold Schulz und Vorsitzende des Vereins Jason Rø e.V. hatte seine Sammlung von Türkeilen aus internationalen Museen mit künstlerischen Arbeiten von KünstlerInnen des Outsider Art Ateliers Studio 111 ausgestellt. Während der Ausstellung in den Räumen des zu früh verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden von Slow Food Deutschland, Hans-Georg Pestka, und dem Designer Axel Wowereit, hatten wir erfahren, dass Künstler der Outsider Art nicht an den städtischen Atelierrundgängen teilnehmen durften.
Nachdem wir es mit dem damaligen „Behindertenbeauftragten“ des Landes NRW schliesslich geschafft hatten, die Düsseldorfer Outsider-Künstler, nach zähem Ringen mit dem Düsseldorfer Kulturamt, endlich an den Kunstpunkten teilnehmen zu lassen, hat unser Kunstverein eine ganze Reihe von kuratierten Ausstellungen durchgeführt und die Vergabe eines international ausgeschriebenen Outsider-Art Preises an die Künstlerin und Musikerin Silvia Fuchs, im Jan-Wellem-Saal des Düsseldorfer Rathauses initiiert und organisiert.
Ebenso fällt der Aufbau des RunderTischOutsiderArt und die Zusammenarbeit mit dem Sammler und Neuro-Chrirurgen Turhan Demirel in diese Zeit. Eine über viele Jahre andauernde Arbeit, um die KünsterInnen der Outsider Art , bzw. Art brut sichtbarer zu machen und weiter in die Mitte der Gesellschaft zu holen.
Dazu hat Carsten Reinhold Schulz für den Verein einen Film gemacht, der die große Bedeutung der Sichtbarmachung der Schwächsten unserer Gesellschaft in Interviews und dokumentarischen Bildern zeigt. Der Filmteaser ist auch heute noch, nach über 10 Jahren, offizieller Referenzfilm des kirchlichen Trägers des Ateliers Studio 111. Schauspieler und Gründungsmitglied Dieter Brandecker spricht die Texte, Aufnahme und Videobearbeitung erfolgte im Studio von Tom Blankenberg in Düsseldorf-Flingern.
Von 2014 bis 2018 baute der Kunstverein unter Leitung von Carsten Reinhold Schulz den denkmalgeschützten Gerresheimer Bahnhof in künstlerischer Selbstverwaltung, mit 150 Konzerten, Ausstellungen, Lesungen, Aktionen und Kursen zu einem Düsseldorfer Kulturort im sozial geschwächten Osten der Stadt Düsseldorf auf. Eine Förderung der Stadt erfolgte dabei zu keiner Zeit. Der hohe Mietpreis des Bahnhofeigntümers Piet Neiser von etlichen Tausend EUR, konnte durch parallel organisierte Hochzeiten und Parties generiert werden. Alle Einnahmen flossen zurück in die Organisation von Kunst und Kultur. Ein ziemlich einmaliger Vorgang in Düsseldorf, der Möglichkeiten dieser künstlerische Intervention aufzeigt.
Wichtige Ausstellungen waren z.B. ArtBeatsBrut und Das Bild der Frau in der Outsider Art (mit der Sammlung Turhan Demirel Wuppertal), dann die Umkehrung von Kuratorenrolle und Ausstellenden durch KünstlerInnen der Outsider Art oder auch die Ausstellung und erstmalige Kunstpreisvergabe des „Düsseldorfer Aufklärungsdienstes“ DA.
Seddik Gasmi war ein Künstler, der anti-akademisch, im Sinne der Self-taught art / Outsider Art in kurzer Zeit in Düsseldorf eine beeindruckend große Anzahl kraftvoller und ausdrucksstarker Bilder gemalt hat. Viele seiner Bildsujéts stammten aus persönlichen Gesprächen in seinem Taxi, das er als Broterwerb nie aufgab. Leider ist sein Werk sehr verstreut oder teilweise bereits vernichtet. Unser Verein hatte die Entwicklung seines ersten ( und einzigen ) Kataloges übernommen. Die von uns kuratorisch begleitete Aktion der Ausstellung von 2018, Seddik Gasmi-Street Pics, zur Düsseldorfer Nacht der Museen, brachte die lyrisch-expressiven Malereien von Seddik durch eine mobile Ausstellung in einer fahrende Strassenbahn zurück in die urbane Realität. Die Aufrechterhaltung der Erinnerung an sein malerisches und zeichnerisches Oevre ist uns über seinen frühen Tod hinaus bis heute wichtig.
Nach unfreiwilliger Aufgabe des von uns aufgebauten Kulturorts Kulturbahnhofs 2018, verlagerte sich die Ausrichtung des Kunstvereins durch Satzungsänderung mit einer gesellschaftlich breiter angelegten Intention über die Kombination der Begriffe Kunst und Teilhabe. Somit kann unser Kunstverein, auch ohne formale Beschränkung, Projekte unterstützen und organisieren, die eine kulturelle Beteiligung unterschiedlichster gesellschaftlicher Gruppen und auch demokratischer Teilhabe stärken. Zu nennen sind die Unterstützung des langjährigen künstlerischen Off-Projekts „The Box“, auf der Duisburger Straße in Düsseldorf, die Zusammenarbeit mit den duesseldorf-editionen, die KünstlerInnen einen einfacheren Zugang zum Buchhandel und sozial gerechtere Margen für ihre Publikationen und Editionen bietet.
Bei der bundesweit einzigen Ausstellungen zum hundertsten Geburtstag von Lawrence Ferlinghetti stellte der Verein mit dem Vorsitzenden Carsten Reinhold Schulz Konzept und einen Teil des kuratorischen Teams. Ebenso zu nennen ist die sowohl städtisch als auch von der Sparkassen-Stiftung geförderte Ausstellung während der Corona Pandemie 2021 mit dem
Titel To Beuys Diesel Motive zu Motiven des Denkens als skulpturaler Prozess im Sinne kultureller Gleichberechtigung. Während der Corona Pandemie 2021 hat unser Verein ein Buch über die ganze Bandbreite Düsseldorfer Künstler, mit dem Titel Off Szene Düsseldorf- 50 Künstlerportraits gemacht und herausgegeben. So konnten bildende Künstler als Träger der Kultur - und gerade die, die nicht immer zu sehen sind - ein Gesicht erhalten.
Etwas anders gelagert gilt dies auch für die Umsetzung des feministischen Projekts The Assembly- Eine Zusammenkunft von Frauen, das unter der Schirmherrschaft der NRW Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Ina Brandes, steht.
Fotoportraits von Frauen aus gesellschaftlich und wirtschaftlich machtvollen Positionen bildeten die Grund lage für eine echte Zusammenkunft dieser Frauen. Ziel war die Identifikation von gesellschaftlich verantwortlichen Personen und durch ihr reales Zusammentreffen möglich werdende Prozesse, Dies ist auch gemeint im Sinne der Philosophin Judith Butlers das (Zitat): „Jedes Zusammentreffen von Frauen bedeutet eine Revolution“. Unterstützerinnen sind u.a. die grüne Bürgermeisterin Düsseldorfs Clara Gerlach; Waslat Hasrat-Nazimi; Buchautorin und Leiterin der DW Afghanistan-Redaktion; Christiane Giesen; Vorständin der Metro AG; Georgine Kellermann, Leiterin des WDR Studios Essen; Prof. Dr. Petia Genkova; Psychologin, Kulturwissenschaftlerin und Vorstand Frauenrat NRW; Claudia Hillenherms, Vorständin der NRW Bank; Prof. Dr. Claudia Bornemeyer, Präsidentin der Rheinischen Fachhochschule Köln; Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW; Anahita Thoms, Baker Mckenzie Partner; Martina Voss-Tecklenburg, ehemalige Trainerin der Frauen-teams der Fussballnationalmannschaf aus der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland; Sabine Müller, CEO DHL Consulting; Dr. Sandra Müller-Steihauer, Polizeipräsidentin Bielefeld u.v.a.
Seit Mitte 2025 ist der Verein aktiv bei der Umsetzung des sogenannten Solingen Kochbuchs, bei dem es um die Sichtbarmachung vieler unterschiedlicher Menschen und einer verbindenden Esskultur geht. Ausgangspunkt ist die als sozial und gesellschaftlich angespannt empfundene Lage in
Solingen Mitte. In Zusammenarbeit mit der Mitte-Schmiede e.V. Solingen, dem Quartiersmanagement Solingen Mitte, der Fronhofgemeinschaft (Leitung Hartmut Ober) und der zur Stadtentwicklung gehörenden Gläsernen Werkstatt Solingen.
Auf Teilhabeprozesse zielt auch das öffentlich gemachte Angebot an die Stadt Solingen. In Form der Solingen-Biennale. Mit ihr soll über zukünftige Fragen des Zusammenlebens gemeinsam diskutiert werden. Nach den dramatischen Erlebnissen der Attentate (nicht nur 2024 in der Stadt), ist die Idee einer solchen Biennale als offenes Gespächsangebot an die Stadtgesellschaft vom Verein zu Beginn 2025 formuliert worden. Ein gedachtes, regelmäßiges kulturelles Forum aus PhilosophInnen, KünstlerInnen und WisenschaftlerInnen. Mit diesem demokratisch und durch uns gemeinnützig organisierten Forum, sollen immer wieder neu definierte und diskutierbare Antworten auf komplizierter werdende Zukunftsfragen gegeben werden.
Zur Zeit wird der Vorstand des Kunstverein
Jason Rø für Kunst und Teilhabe e.V. durch
Andrea Engels und Carsten Reinhold Schulz
offiziell vertreten.
Wir freuen uns auf Sie als ehrenamtliche
MitgliederInnen und über jede Art aktiver
Förderung.
Stand 8/2025